Trendwende

Utopie aus dem Ingolstadt der 2030er Jahre. Von Benedikt Schmidt, Pirat und irgendwas mit IT, Querdenker der digitalen Profession, engagierter und konstruktiver Politiker von denen es in der nächsten und weiteren Zukunft gerne mehr geben kann und muss.

Nach Jahren der Angst vor einem Detroit an der Donau, kleinen Möchtegernfürsten die mittels Korruption ihre Säckchen gefüllt haben und großen sozialen Verwerfungen wegen Gentrifikation und nicht integrierten Neubürgern hat sich Ingolstadt gewandelt. Die Verwaltung arbeitet komplett transparent, digital und ausschließlich mit Open Source und freier Software.

Die gläserne Verwaltung ermöglicht effektive Prozessoptimierung für und durch die Bürger und Verwaltungsangestellten. Nachdem es zu immer mehr politisch motivierten Drohnenmorden und Systemfehlern durch die staatlichen und privaten Überwachungsdatenbanken kam, hat die Stadt Ingolstadt als erste Großstadt in Deutschland ihre Bürger über ein Datenschutzbüro intelligente Notrufsäulen mit externen Defibrillatoren und Sprach- sowie Videokommunikation zu Doktoren, Polizei und Feuerwehr über die effizienteste integrierte Leitstelle in Bayern.

Durch diverse Katastrophen (Hochwasser, Zombieapokalypse und Epidemien) wurden die Notfallpläne und Katastrophenschutzpläne komplett öffentlich und maschinenlesbar bereitgestellt, was zur Folge hatte, dass die Bürger sich komplett selbst organisieren konnten. Dieser Zusammenhalt wird durch jährliche Notfalltests im Rahmen des Bürgerfestes zelebriert. Nach den großen Virenattacken im Jahr 2018 auf die Strom- und Wasserversorgung, bei der es zu hunderten Toten und Verletzten kam, wurden Förderprogramme für Selbstversorger (Photovoltaik, Wasseraufbereitungsanlagen und Freifunk) aufgestellt.

Anstatt wie die Jahrzehnte zuvor öffentliche Gelder in Beton für Tiefgaragen und ungewollte Kolosse zu investieren, erkannte man in den ärmeren Zeiten, dass die Versorgung – besonders älterer Menschen – mit Mobilität sinnvoller ist. Die kostenlose Nutzung von öffentlichem Nahverkehr ist seither Standard und eine als gerecht empfundene Abgabe für die vormals vom Verkehr geplagten Stadtbewohner. Die großen Hallen im Nordwesten der Stadt, die man wegen der fortschreitend mobilen Arbeit nicht mehr benötigte, dienten fortan als P+R Anlage und indoor befindet sich die größte Elektro-Go-Kartbahn der Welt.

Die Verkehrsprobleme wurden mit einer Brücke zwischen Weichering und Gerolfing sowie einer Buslinie über den Stausee als auch einem Tunnel zur Unterstützung der Glacisbrücke und westlichen Ringstrasse behoben. Mit der nun dezentral autonom fahrenden ÖPNV Infrastruktur reicht dies kapazitiv bis in das Jahr 2350. Sinnlose Autofahrten wurden mit einem Anerkennungs- und Steuererleichterungssystem verhindert.

Noch stärker wurde auf die Bedürfnisse der Radfahrer eingegangen. Diese haben ebenso wie Fußgänger in der gesamten Stadt Vorfahrt. Moderne Fahrzeugelektronik und Assistenzsysteme verhindern hierbei jeden Unfall. Die Erkenntnisse dieses Mobilitätsversuches sorgen für einen gewaltigen Erfolg der regionalen Firmen wie Audi und über kombinierte Ideensysteme ergänzen sich lokale Firmen, Mitarbeiter und Konzerne optimal.

Die städtischen Tochterunternehmen wurden zu 100% wieder in die Hoheit der Stadtverwaltung rücküberführt. Jegliche Art von Public-Private-Partnerschaften und intransparenten GmbHs wurden abgeschafft. Förderungen gibt es dennoch zur Genüge über Crowdfunding, was über den Stadthaushalt potenziert wird.

Besonders erfolgreich war diese Rekommunalisierung für das krisengeschüttelte Klinikum und die Notfallversorgung in Ingolstadt. Notfallsanitäter, Krankenpfleger, Altenpfleger, Hebammen und Ärzte gehören mit zu den begehrtesten Berufsgruppen seit dem großen Managementsterben 2024. Damals erkannte man, dass es sich rechnete, mehr in den sozialen Sektor zu investieren, da man sonst keine brauchbaren Manager mehr hat. Ganz Ingolstadt ist bereits seit den frühen 2020er Jahren komplett barrierefrei. Dank moderner Technik und entsprechender Vorgaben bei Neubauten und auch Spielplätzen wird Inklusion gelebt. Immer. Überall.

Aus dem Abschiebelager Ingolstadt wurde mit fortschreitender Klimakatastrophe und der Verzehnfachung weltweiter Flucht eine Vorzeigestadt im Bereich der Integration und Ausbildung geflüchteter Menschen. Unsere neuen Mitbürger haben private und berufliche Perspektiven und durch Aufklärung und guter Präventions- und Polizeiarbeit gibt es fast gänzlich keine Straftaten. Für Terrorismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit ist Ingolstadt ein unangenehmes Pflaster geworden. Der Nährboden für die braune Brut und religiös Verwirrte – oftmals soziale Missstände und dämliche Hetze – wurde durch die große Mehrheit an friedliebenden Ingolstädtern aus aller Welt entzogen.

Das jahrzehntelange Versagen am Wohnungsmarkt in und um Ingolstadt wurde folgendermaßen gelöst: Die Stadt Ingolstadt trat ab 2017 vermehrt als Vermieter am angespannten Wohnungsmarkt auf. Über die aufgelöste Gemeinnützliche Wohnungsbau-Gesellschaft, die in der Stadtverwaltung aufging, wurden Bedürftige und Asylbewerber als Facility Manager ausgebildet und gleichmäßig in Wohnungen der existierenden Wohnanlagen eingesetzt. Mit inbegriffen waren Konfliktmanagementseminare zur Schlichtung von Nachbarschaftsstreits.

Die unsinnige Mietpreisbremse wurde über das neue Wohnungsangebot mit maximal 5€ pro m² abgelöst. Dies stoppte die Preisexplosion für Bauland und Neubauten, aber ermöglicht weiterhin ein gutes Auskommen im Bausektor der Region.

Über die frühe Etablierung von digitalen Währungen als offiziellem Zahlungsmittel und einer Blockchain-Vorsorge für Krankheit und Rente in Ingolstadt wurde die Grundlage für eine herausragende digitale Gründerstruktur geschaffen. Der Zusammenbruch der alten Geldsysteme wirkte sich dadurch in der Region nicht so zerstörerisch aus wie in vielen stehengebliebenen Regionen auf der Erde.

Der zweite und dritte Grüngürtel, die jeweils an den neuen Nationalpark Donau-Auen angeschlossen sind, geben allen Bürgern und Besuchern die Verbindung von Stadt und Natur, die ihresgleichen sucht.

beraten und effektiv geschützt. Nach den Prügelskandalen um private Sicherheitskräfte und der Erkenntnis, dass Videokameras keinen realen Schutz für die Menschen in der Stadt Ingolstadt bedeuten, wurde das Ordnungsamt und die Polizei auf einen angemessenen Personalstand gebracht. An jeder Bushaltestelle existieren