Mobilität. Den Schuss nicht gehört

An ihr kommt man in Ingolstadt lokalpolitisch so gut vorbei, wie an der westlichen Ringstraße zur „RushHour”. Die Parkplatzfrage. Fester Bestandteil jeder Debatte und unangefochtener favorite in den #TrendingTopics.  Jetzt wurde die Thematik abermals auf Tableau gelegt. Sie offenbart, wie sehr unser Denken im letzten Jahrhundert verhaftet ist. Die Dauerdebatte “Parkplätze” hat sich durch die Aussagen von Peter Springl (Freie Wähler) erneut entfacht. Nicht jedes Relikt im Boden sei “sakrosankt”. Gemeint war der Abriss von Mauerresten ehemaliger Festungsanlagen zugunsten weiterer Parkplätze. Diese städtebaulichen Eingriffe sind Teil einer sogenannten Parkraumoffensive. Verfolgt man die Vehemenz im Kampf für neuen Parkraum, könnten man gar meinen es ginge hier um das letzte Calipo bei 38° im Schatten. Die Schönheit der Mauerreste mal außenvorgelassen. Was sich in diesen Debatten äußert, ist ein viel tiefer schürfendes Problem unserer Stadt.

Argumente der Befürworter. Eine attraktive Stadt hat viele Parkplätze

Die Befürworter von weiteren Parkplätze führen ins Feld, dass die Innenstadt aufgrund mangelnder Parkplätze an Attraktivität einbüße. Die Leute seien zu bequem und würden lieber dort shoppen, wo sie direkt vor der Türe parken können. Dadurch hätten die Händler in der Innenstadt einen klaren Nachteil gegenüber dem Westpark und wohl auch gegenüber Amazon, die brauchen nämlich gar keine Parkplätze. Zuden würde durch den angepriesenen Primemark “Ansturm” die Parkplatznot weiter verschärft. Das ginge auch auf Kosten der Anwohner und Stadtpendler. Die Lösung: mehr Parkplätze! Captain Obvious lässt grüßen. Was auch sonst.

Section 2

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1. Stand der Dinge

[toggle title=”Harte Fakten. Das Verkehrsaufkommen steigt” state=”close” ]Unsere Stadt wächst und mit ihr das Verkehrsaufkommen. Das ist Fakt. Hinzu kommt, dass wir alles um unser Zentrum herum organisieren oder durch dieses hindurchführen. Das kann man blöd finden, ist aber aktuell Stand der Dinge. Unsere Infrastruktur ist nicht auf dieses Verkehrsaufkommen ausgelegt, ebensowenig bietet unsere Innenstadt genug Platz für diese Masse an Autos. (und auch nicht auf deren neue Größe) [/toggle]

[toggle title=”Nicht der Parkplatzmangel ist das Problem, sondern der Überschuss an Autos ” state=”close” ]Unser Problem ist, dass wir eher sündhaft teure Brücken bauen und historisches Gemäuer dem Erdboden gleich machen, als einen genaueren Blick auf das Problem zu werfen. Die Parkplatznot ist akut, das stimmt. Und das hat weniger mit mangelnden Parkplätzen zu tun, als vielmehr mit der Art unserer Mobilität. (Und die damit verbundenen Raumnutzung.) Wir betreiben Symptombehandlung, anstatt uns den Ursachen zu widmen. Unsere Mobilität ist maximal ineffizient organisiert und ein Horror für die Infrastruktur und das Leben in unseren Städten. Weltweit. [/toggle]

[toggle title=”Wahnsinn ist noch freundlich formuliert” state=”close” ]Der durchschnittliche Besetzungsgrad” liegt bei 1,3 Menschen pro Auto. Durchschnittlich steht ein Auto mehr als 23h am Tag ungenutzt herum. Zu allem Überfluss geht der Trend auch noch zu Übergroßen Autos. Die nehmen noch mehr platz ein. Das Ergebnis? Unsere Stadt ist voll mit riesigen Autos, die keiner nutzt. Dazu reihen sich auf unseren Straßen zu Stoßzeiten PS Starke SUVs aneinander. Einzeln besetzt. Im Stop and go. Wir bewegen uns kollektiv in riesigen Metallkolonnen. In Reihe. Wir fahren von Event zu Event und tragen dabei vollkommen unnötig tonnenschweres Gerät mit uns herum. Unsere Kinder lassen wir dabei in den Abgasen stehen. Wenn man später auf unsere Zeit zurückblickt, wird man nur fassunglos mit dem Kopf schütteln können. [/toggle]

 

2. Was wir gegen den Verkehrsinfarkt tun

[toggle title=”Feuer mit Feuer bekämpfen. | Mehr Platz für noch mehr Autos!” state=”close” ]Wir erleben einen durch den Individualverkehr ausgelösten Verkehrsinfarkt (im vollen Bewusstsein der aktuelle Umweltproblematik – die wiederum auch untrennbar mit diesem Individualverkehr zusammenhängt) und unsere einzige stadtplanerische Option im Angesicht dieser Problemlage scheint: eine Stärkung des Individualverkehrs!  Mehr Parkplätze, mehr Brücken, größere Straßen. Na klar. Wir kontern die Probleme des Individualverkehr mit mehr Platz für den Individualverkehr. Und reißen dafür Grünstreifen, Bäume und Mauerreste hinfort. Was kann da schon schiefgehen? [/toggle]

[toggle title=”Was macht unsere Stadt attraktiv? Parkplätze!!? ” state=”close” ]Bei all diesen Überlegungen muss man sich auch fragen, wohin uns die bisher praktizierte Vorgehensweise führen wird. Wollen wir die Stadt nach und nach entkernen? Wollen wir am Ende auf einem riesigen Parkplatz stehen? Auf einem Parkplatz vor einer überdachten Mall, die sich Innenstadt nennt? Braucht man nicht heutzutage mehr denn je Individualität und Geschichte, um Leute von außerhalb anzuziehen? Oder wollen wir austauschbar sein wie jede x-beliebige Industriestadt in den Vereinigten Staaten? [/toggle]

[toggle title=”Werte erhalten geht anders. ” state=”close” ]Dass die bisherige Politik von einer Partei vorangetrieben wird, die sich konservativ schimpft und damit für das erhalten von Werten eintreten sollte, ist ein weiterer Widerspruch in sich. Wo wahrt man Werte, wenn man Stadtgeschichte plättet, um Platz zu schaffen für die Besucher eines Billigdiscounters (deren Klamotten quasi für die Tonne produziert werden)? Das einzige was man damit wahrt, ist kurzfristigen “Cash in der Täsch”. Langfristige Perspektive sieht anders aus. [/toggle]

 

3. Noch mehr Autos in den Städten!? Seriously?

[toggle title=”Das Problem liegt tief in der DNA unserer Stadt, bei Audi.” state=”close” ]Wir sind als Stadt mit dieser Problematik nicht alleine, aber bei uns in Ingolstadt hat sie dennoch eine besondere Qualität. Das liegt darin, dass die Problematik mit dem Geschäftsmodell von Audi einhergeht. Audi verdient daran, dass viele Autos verkauft werden. Bestenfalls große Autos. Da sind die Margen am besten. Ginge der Trend zum 3. Auto, wir könnten uns freuen. Die Vision der Branche ist quantitativ. VW will der Konzern sein, der die meisten Autos verkauft. Das Problem ist nur: keiner, der heutzutage in der Stadt lebt, kann sich dort ernsthaft mehr Autos wünschen. Ingolstadt ist dafür das beste Beispiel. Die Infrastruktur macht das nicht mit. Der Planet übrigens auch nicht. [/toggle]

[toggle title=”Mobilität macht (so) keinen Spaß mehr” state=”close” ]Es geht bei diesem „Vorbeiproduzieren“ an den städtischen Realitäten nicht nur um die Parkplatznot in der Innenstadt, sondern um das Unternehmen Audi und Mobilität als Ganzes. In der Alltagsrealität großer Städte machte die aktuell angepriesene Art des Individualverkehrs keinen Spaß mehr. Die User Experience sucked ass. Fahrspaß sieht anders aus als minutenlanger stop and go Verkehr gefolgt von einer 20 minütigen Parkplatzsuche. Da bringen einem auch 500PS, ein schön geschwungener Kühlergrill und 1000km Reichweite herzlich wenig. Gleiches gilt für die Lebensqualität in der Stadt. Manchen Gegenden auf der Welt gleichen mittlerweile unbetretbaren Blechwüsten mit einer Luft, die man sich kaum zu atmen traut. Dafür haben die Blechwüsten aber viel PS und sind dadurch besonders laut. [/toggle]

[toggle title=”Das Problem ist die Gestaltung der Fortbewegungsmittel ” state=”close” ]Das Problem liegt also an der Art unserer Fortbewegungsmittel und damit an der Wurzel des Wohlstands unserer Stadt. Solange wir die Augen davor verschließen und lieber unsere Umwelt niederreißen, als uns das einzugestehen, haben wir ein großes Problem. Vor allem in der Zukunft. Nicht nur wir als Stadtgemeinschaft, sondern auch Audi als Unternehmen. Es gibt weltweit eine Trendwende, einen neuen Zeitgeist. Die Zukunft gehört jenen, die Menschen kostengünstig und schnell durch die Stadt bewegen, ohne dass die Lebensqualität in der Stadt darunter leiden muss. Die Nachfrage nach derartigen Lösungen besteht weltweit. Und wir können und sollten uns aufmachen, diese Nachfrage zu stillen! Alle die sich dieser Herausforderung nicht annehmen,  werden über kurz oder lang untergehen. [/toggle]

 

Ja, es geht anders. The future is now!

Und das sollte man auch vehement einfordern. Die technologischen Weichen sind gestellt. Die Technik ist martkreif. Carsharing per App ist in größeren Städten gang und gebe. Das schafft Platz, schützt Ressourcen und macht deutlich mehr Spaß als selbst ein wertvolles Auto hüten und pflegen zu müssen. Es ist fahren pur und es kann großartig sein. Für uns ist dieses Jahr Mobilität neu geschrieben worden, als Bosch Berlin mit kleinen wendigen eRollern ausgestattet hat.

Filinski300 auf einem Coup Roller

Filinski300 auf einem Coup Roller

Die Roller sind in jeder Ecke Berlins zu finden. 3 Euro für eine halbe Stunde. Das war der Gamechanger! Seitdem bewerben wir den Service bei jedem der uns über den Weg läuft. Freiwillig. Warum? Weil es so verdammt gut ist! Jeder der schonmal mit einem Coup durch die Nacht gedüst ist, weiß wovon wir reden. Die Sinnhaftigkeit solcher Services liegt auf der Hand, die Nutzerentscheidung ebenfalls. Das sehen wir tagtäglich in den berliner Straßen. Die dicken Karren werden gefahren von Prollos und Drogendealern. Die gut gebildeten Jungen nutzen Carsharing. Warum? Weil es smarter ist. Dass diese Services auch in Ingolstadt ausgerollt werden ist nur eine Frage der Zeit. Spätestens autonomes Fahren wird Car Sharing in den bisher nicht erschlossenen ländlichen Raum bringen. Dort war es bisher wirtschaftlich nicht rentabel (aufgrund der räumlichen Ausdehnung) eine ausreichende Abdeckung mit Fahrzeugen sicherzustellen.  Wenn die Autos zu den Fahrern kommen, sieht das ganze anders aus. Kid lässt grüßen!

 

 

Von null auf jetzt wird der komplette ländliche Raum mobilitätstechnisch erschlossen sein. Selbst für Menschengruppen die bisher von der Mobilität ausgeschlossen waren wie bspw. Kinder, Jugendliche oder alte Menschen, aber auch jene, die sich kein eigenes Auto leisten können.  Nach Günther Duck brauchen wir dann nur noch 1/6 der Autos… und die sind dann ständig in Bewegung. Wer sich die ganze Härte der Analyse über die aktuelle Automobilbranche zu Gemüte führen will, dem sei nachfolgendes Video empfohlen.

 

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Der Zeithorizont für den ganzen Spaß dürfte sich zwischen 5 und 10 Jahren bewegen. D.h. wir brauchen im besten Falle gar keine Parkplätze mehr. Aufgrund dieser Perspektive sollten wir uns das mit dem platt Betonieren vielleicht doch nochmal grundlich durch den Kopf gehen lassen. Genau wie die allgemeine Handhabe, stadtplanerische Entscheidungen dem Verkehr unterzuordnen. Lasst uns lieber die Zukunft gestalten, als Diskussionen aus dem letzten Jahrhundert zu führen. Alles andere ist ein unerträglicher Pain in the ass und eine Geldverschwendung sondergleichen.

 

Warten oder Audi in die Pflicht nehmen

 

Was also können wir tun, um die Not der Mobilität zu lindern, ohne rückwärtsgewandte, kurzsichtige Entscheidungen zu treffen? Man könnte warten, bis der technologische Fortschritt zusammen mit Tesla und Uber das Problem für uns aus der Welt schafft. Dabei wird es womöglich dann auch Audi dahinraffen. Dafür müssen wir dann an Weihnachten aber vom Suxul aus nicht mehr nach Hause laufen. Man könnte aber auch einfordern, dass sich Audi selbst endlich der Mobilitätsproblematik unserer Stadt annimmt (die sie größtenteil selbst mitverursachen). Und zwar lieber heute als morgen.  Das wäre nicht nur konsequent und gut für Ingolstadt, sondern auch eine heilsame Angelegenheit für Audi selbst. Mit Lösungen dieser Problematik wäre Audi gewappnet für die Märkte der Zukunft. Eine derartige Herangehensweise würde dem aktuellen Zeitgeist entsprechen. Dadurch könnten wir auch auf längere Sicht den Wohlstand unserer Region sichern. Oder wir suhlen uns in eigener Selbstzufriedenheit und warten bis uns die Butter vom Brot genommen wird.

 

Ingolstadt. Modellstadt für nachhaltige Mobilität

 

Wir müssen mit Hochdruck zur Modellstadt für nachhaltige Mobilität werden wollen. Das muss das oberste Ziel sein! Nur so können wir als Region für “Mobilitätsprodukte” am Nabel der Zeit bleiben. Keiner sollte irgendwo warten müssen, keiner sollte im Stau feststecken und keiner sollte von zugeparkten Straßen in seiner Lebensqualität eingeschränkt werden. Das ist das Mindeste. Audi hätte schon heute die Technik, das Know How und die Leute, diese Probleme vernünftig anzugehen. Audi könnten schon heute vor seiner Haustür zeigen, wie die Mobilität der Zukunft aussieht. Wäre das nicht ein Grund die Ärmel hochzukrempeln? Wäre das nich ein Leitbild, dass uns wieder auf die Erfolgsspur bringen könnte und parallel das Leben in der Stadt ein gutes Stück angenehmer machen würde? Man müsste es nur wollen… Eine derartige Herangehensweise wäre ein Gewinn für uns alle. Die Frage ist jetzt nur, wo ist die Taskforce? Und wo ist das klare Bekenntnis des hohen Managements? Wo die entsprechende Haltung der Politik?

 

#Ingolstadtkannmehr

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