kein gelernter bäcker würde auf die idee kommen, den motor eines ingenieurs in frage zu stellen oder beliebig einzelteile an diesem verändern wollen. ginge es um ein haus, ein logo oder einen film, sähe das ganze schon anders aus, denn hier herrschen nicht die unumstößlichen regeln der naturwissenschaften, sondern der geschmack.

man muss sich dafür entscheiden was richtig, gut und schön ist und dazu fühlt sich jeder im stande. (gerade sich als sehr entscheidungskompetent wahrnehmende menschen wie bspw. politiker.) doch nicht jede subjektive entscheidung funktioniert auch zwangsläufig für andere menschen.

gestalter wie es architekten, designer und grafiker sind, werden dazu ausgebildet, die möglichkeiten der entscheidungen zu überblicken, deren konsequenzen zu kennen und die für die ausgangslage sinnvollsten entscheidungen zu treffen. bei einem entwurf gibt es unzählige dieser entscheidungen zu treffen, bis ins kleinste detail. all diese entscheidungen beeinflussen sich gegenseitig, folgen einer größeren vision, einer logik und sind miteinander verzahnt. sie alle zusammen machen die qualität eines entwurfes aus.

fängt man nun als ungelernter laie an, in diesem system an entscheidungen herumzudoktoren, ohne deren hintergrund zu kennen, so kann es leicht passieren, dass man das logische entscheidungskonstrukt eines entwurfes zum einsturz bringt.

so ist es in unseren augen mit dem entwurf zum kongresshotel passiert. es geht dabei nicht darum, ob einem der entwurf im grundsatz gefällt, sondern was aus dem entwurf geworden ist, nach dem x-fachfremde lokalpolitiker und investoren mit eigenen geschmacksrichtungen und vorstellungen in ihm herumgedoktert haben. der unterschied vorher nachher ist riesig. denn trotz des manchmal subjektiv anmutenden charakters der gestalterischen sphäre gibt es dennoch nicht zu vernachlässigende regeln und leitlinien die zu einem erfolgreichen gesamtbild führen.

die fehler des jetzigen entwurfes sind offensichtlich. die achsen der fensterlichten treffen keine signifikante punkte (wie bei dem eigentlichen gewinnerentwurf). die fensterfront hat keinen rhythmus mehr und ist monoton. der kongressteil hat keinen bezug mehr zum hotel. davor war noch eine klare dynamik und zugehörigkeit sichtbar. die am anfang bestehende harmonie des gebäudeentwurfes ist einem komischen mischmasch gewichen, der uns fragen lässt: WTF? das sollte man sich so vielleicht nochmal überlegen… schuster, bleib bei deinen leisten!

kongresshotelmeme

 


oben: der gewinnerentwurf fürs kongresszentrum
mitte: der erste überarbeitete entwurf
unten: der aktuelle stand (soll gebaut werden)