Ingold City

Utopie aus dem Ingolstadt der 2030er Jahre. Von Julia Seiler, Stadtplanerin in München, die ihren Master über das kreative Potential in Ingolstadt verfasst hat und seit mehreren Jahren auf “Stadtraumleben” zu Themen rund um Stadtplanung und Ingolstadt bloggt.

Ingolstadt hat die perfekte Balance zwischen Dorf und Großstadt gefunden. Nicht länger die Zwischenstadt, die Schlafstadt zwischen Nürnberg und München, ein Zwischenstopp im Leben, um in absehbarer Zeit wieder weiterzuziehen. Für Kinder schön, um aufzuwachsen, dann erst wieder lebenswert, um eine Familie zu gründen. Nein, Ingolstadt hat ein eigenes Profil entwickelt, eine Stadtidentität, bei der die Historie im Zusammenhang mit der baulichen Struktur Ingolstadts das Fundament bildet und durch ein zeitgemäßes Image aufgefüllt wird. Die Festungsbauten werden neu belebt, es gibt Kunst, Kultur und Festivals.

Die Ingolstädter können sich mit ihrer Stadt identifizieren. Der Donaukanal ist renaturiert, es gibt dort einen Badestrand, Cocktailbars mit bezahlbaren Preisen, aber du musst nichts kaufen, du kannst auch einfach selbst deinen Picknickkorb packen und dich ans Ufer chillen, ohne dass dich einer wegscheucht, weil du nichts kaufst. Die Donau gehört allen. Die Unterführungen sind zur Tanzfläche geworden, die Akustik ist perfekt, du kannst dich dort mit deinem Smartphone verbinden und deine Lieblingsmucke hören #vielleichtsolltetihrhiereinfachtanzen.

Die Fußgängerzone ist von Billig-Shoppingmeile und Trauerspiel zum Wohnzimmer geworden. Literaturcafés, Repaircafés, Bars und Clubs, 24/7-Bistros wechseln sich ab mit Pop-up-Museen, Coworking Spaces, Open Spaces, Cypher-Schuppen und Katzencafés.

In der Mittagspause drängeln sich die Sparkassenmitarbeiter nicht in den 6-7 Restaurants, sondern gehen zum Mittagsrave ins Foyer des Theaters und shaken eine Stunde ab, um dann wieder frisch und freundlich work work work work worken zu können. Das Theater ist sowieso längst öffentlicher Raum geworden, ein fester Treffpunkt um zu arbeiten, ein Buch zu lesen, einen Kaffee zu trinken – egal ob eine Veranstaltung bevor steht oder nicht.

Der Kavalier Dallwigk bildet das östliche Ende der Fußgängerzone und bringt leben in die Gießereibude. Das dort ansässige digitale Gründerzentrum brigk ist längst fest in Ingolstadt angekommen und hat Wurzeln geschlagen. Hier wird nicht nur der wirtschaftliche Aspekt in Sachen Technik vorangetrieben, sondern die Türen stehen auch für gesellschaftliche Themen und Karaoke-Parties offen. Von der öffentlich zugänglichen Dachterrasse kann man rüber auf die aufgeschüttete Donauinsel schauen.

Die großen Gewerbeflächen östlich des Hauptbahnhofs sind urbanen Wohnvierteln gewichen. Wohnen und Arbeiten gehen hier Hand in Hand. Es wird in Baugemeinschaften gebaut und bezahlbarer Wohnraum steht überhaupt nicht zur Debatte, sondern ist einfach da, genauso wie die Eckkneipe fürs Feierabendbier.

Audi hat in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung endlich ein effektives Mobiliätskonzept auf die Beine gestellt mit Carsharing, Audi-E-Bikes und flexiblen, autonomen Kleinbussen. Überhaupt ist die Verkehrswende längst geschehen und Ingolstadt ist dank Audi Vorreiter für intelligente, umweltfreundliche Mobilität. Ganze Straßenzüge werden zu Stadtparks umgenutzt. Die bereits vorhandenen Tiefgaragen sind teilweise berflüssig geworden, weshalb es dort Nachbarschaftsswimmingpools gibt.

Obwohl man im Ingolstädter Speckgürtel immer noch idyllisch in seinem Einfamilienhäuschen wohnen kann, fährt nicht jeder Sepp mit dem eigenen Auto durch die Gegend, sondern nutzt die Carsharing-Angebote, E-Bikes oder Elektrobusse. Viel besser, denn dann gibt’s in den privaten Garagen Platz für Bandräume, Hobbywerkstätten, Ateliers, Wintergärten oder Turn- und Tanzflächen. Alles gebongt in Ingobongo. Ist das nicht eine glänzende Zukunft?