4 Flüchtlinge sollen zusammen ein junges Mädchen in Zuchering vergewaltigt und mit Gegenständen so übel maltretiert haben, sodass ihr jetzt ein künstlicher Darmausgang gelegt werden musste. Berichtet wurde darüber nichts. Der Donaukurier unterliegt nämlich angeblich einer Nachrichtensperre … Aha. Really!?

Derartige Gerüchte hat es die letzten Tage zuhauf hier bei uns angespühlt und wir fühlen uns verpflichtet, diese Dinge richtig zu stellen. Weil wir uns dergleichen nicht vorstellen konnten und per se, was reißerische, meist von rechten Gruppieren in die Welt gesetzte Behauptungen und Lügen angeht, vorsichtig sind, haben wir einfach mal bei den Cops angerufen und siehe da:

Alles großer Bullshit!!!

Weder eine derartige Vergewaltigung, noch irgendwelche Nachrichtensperren existieren. (Donaukurier Statement) Am Telefon kommentierte der zuständige Kommissar die Angelegenheit mit “so ein Scheiß”. Wer Beweise für eine andere Sachlage hat, möge diese bitte erbringen oder einfach seinen Mund halten. (“ich habe über 3 Ecken gehört” zählt nicht) Bezüglich solcher Meldungen und den einhergehenden Beschwerden über unsere Medien (wie auch in der Angelegenheit in Kölle), möchten wir grundsätzlich noch ein paar Dinge festhalten…

Mediensperren und die Lügenpresse

 

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Gerade in Zusammenhang mit den Vorfällen in Köln, bei denen mehrere Frauen von größeren Banden an Männern sexuell belästigt worden sein sollen, wurden Stimmen laut, die Presse erwähne derartige Vorfälle nicht bzw. unterschlage Fakten (wie z.B. die Herkunft der Täter). Grund sei, dass diese Vorfälle nicht in das “Gutmenschenbild” vom guten Flüchtling passen würden…  Es gibt in Deutschland keine Nachrichtensperren bezüglich der Flüchtlinge. Was es sehr wohl gibt ist verantwortungsvollen und professionellen Journalismus. Wir wissen, die Flüchtlingsthematik ist aktuell emotional stark aufgeladen und die Geflüchteten haben aufgrund ihrer großen Anzahl, den daraus resultierenden Herausforderungen und dem kontinuierlichen Dauerbeschuss der rechten Szene ohnehin kein gutes Standing. Zudem grasieren darüber hinaus massive Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit in Teilen der deutschen, skurrilerweise aber auch in Teilen der hierzulande lebenden ausländischen Bevölkerung. Um die Flüchtlinge, die in ihrer großen Mehrheit friedliche Menschen sind – und aus wirklich beschissenen Situationen fliehen mussten – nicht vorschnell in eine noch beschissenere Lage zu bringen, springt man eben nicht sofort auf jeden dahergefahrenen Zug auf, sobald es eine Meldung über Straftaten und Vergehen seitens Geflohener gibt. Um nicht unnötig weiter Brand zu stiften (dafür haben 2015 bereits genügend unbesorgte besorgte gesorgt), werden die Fakten geklärt bevor die großen Glocken geläutet werden. In den meisten Fällen stellten sich solche Vorwürfe gegenüber den Flüchtlingen de facto als üble Nachrede heraus…

Zum anderen gibt es einen bestehenden und gerechtfertigten Pressekodex. Wenn die Nationlität keine Rolle spielt, wird sie nicht genannt. Diese “Norm” liegt in der Tatsache begründet, dass wir Menschen, was gruppenbezogene Diskriminierung angeht, ganz groß sind und wir diese unfaire (da wissenschaftlich nicht begründete) Art der Beurteilung von Individuen nach Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft zu verhindern versuchen. Wenn sich also bezüglich der Kriminalitätsraten von Flüchtlingen im Vergleich zu anderen Gruppen/Ethnien/Whatever keine statistisch signifikanten Auffälligkeiten ergeben und sich diese – mehr oder weniger – auf einem ähnlichen Niveau bewegen, muss die Gruppenzugehörigkeit nicht gesondert behandelt oder erwähnt werden.

Natürlich gibt es viele Leute, die ihre Vorurteile bestätigt sehen wollen. Das ist als Mensch immer einfacher als sich und seine Ansichten zu hinterfragen. Sich jedoch darüber aufzuregen, wenn gebildete Journalisten die eigene Meinung nicht teilen und aufgrund ihrer logischen Erwägungen eine andere Perspektive einnehmen, kommt massiv intolerant und dogmatisch daher. Jeder darf in Deutschland frei seine Meinung äußern. Tabuthemen gibt es nicht. ( Thilo Sarrazin, Lutz Bachmann etc. sind glänzende Belege hierfür…) Man kann aber nicht erwarten, dass der Großteil der Menschen das dann auch noch toll finden muss. Auch diejenigen haben das Recht, ihre Meinung zu äußern. Wenn diese Menschen Fremdenfeinlichkeit doof und bescheuert finden und das den entsprechenden Leuten zu verstehen geben, dann ist das ihr gutes Recht. Deal with it! Und wer die “Lügenpresse” nicht mag, sucht sich sowieso seine eigene Realität in Verschwörungsblogs und dergleichen zusammen bzw. bastelt dort an der für ihn passenden Weltvorstellung. Wie war das bei Pippi Langstrumpf noch gleich? “Ich mach’ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …” Wahrer werden die Ansichten dadurch jedoch nicht.

Rattenfänger und Psychologie

 

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“Ein zentrales Merkmal dieser Rhetorik ist argumentationsfreie und -verweigernde apodiktische Behauptung, das Verkünden (nicht Begründen!) von Wahrheiten, die stumpfe, permanent wiederholte Aufladung von Begriffen jenseits aller Differenzierung, die Umdeutung von Begriffen zu Kampfbegriffen.”

Das Wissen um unsere Psychologie

Wir wissen um unser eigenes Denken. Wir wissen, wie leicht wir verführbar sind, wir wissen, aus welch irrationalen Gründen wir teilweise Angst haben und wir wissen über unsere Angst vor dem Fremden. Rechte Gruppierungen schüren ganz bewusst diese Ängste und verführen uns in die Denkmuster der gruppenbezogenen Diskriminierung zu verfallen. Die Prinzipien funktionieren immer gleich und werden immer wieder angewandt. Betrachtet man die Verfolgung der Juden, wurden auch diese damals als “tierähnliche” Lustmolche betitelt, die den guten deutschen Frauen an die Wäsche wollten. (Blogeintrag zur Antisemitismus und Sexualität) Auch Medien, die nicht nach der Gesinnung von den Nazis berichteten wurde damals als Lügenpresse beschimpft. ( Blogeintrag zur Sprache und Argumentationstechnik) Alles nichts neues.

Eigene Erfahrungen

Auch wir beim Kurator sind leider nicht frei von Gefühlen, welche solche Mechanismen, Meldungen und Vorurteile auslösen. Die Muster scheinen tief verankert in unserem Denken und stets befeuert von uns umgebenden Bildern. Wer kennt es nicht, wenn er leichtes Unbehagen verspürt, wenn er oder sie bspw. in einem Club steht und der einzige Weiße ist. Persönlich habe ich diese Erfahrung gemacht, als ich auf einer Studienreise nach New York in Brooklyn zum Work Out ins freie gehen wollte. Ich war konfrontiert mit einem Basketballcourt, auf dem mit Sicherheit an die 1000 Afroamerikaner unterwegs waren. Kein Weißer weit und breit. Ich hatte Angst, mich dort den ansässigen “Pumpern” anzuschließen. Habe ihnen quasi unterbewusst unterstellt, rassistisch zu sein, was wiederum rasisstisch von mir war. Also habe ich mich überwunden und einfach in deren Mitte begeben, um in Lederhosen mein Workout durchzuziehen. Ich wurde weder blöd angeschaut, noch sonst irgendwie negativ beachtet, ganz im Gegenteil. Einige der übelst aussehnsten GhettoDudes gaben mir Hilfestellungen bei Übungen und haben sich gut mit mir unterhalten. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erhebend es war, meine Vorurteile wiederlegt zu sehen, Menschlichkeit und Respekt zu erfahren, wo man Ablehnung und Gefahr erahnt hatte. Ein absoluter Gewinn für das persönliche Menschenbild. Und gerade weil wir so anfällig für Vorurteile sind, die unnötig negative Gefühle entfachen und eine große Menge an Menschen potentiell zu Unrecht verurteilen, müssen wir uns immer dazu anhalten, unseren Vorurteilen auf den Grund zu gehen und sie zu überprüfen

Die Statistik

Die andere Möglichkeit die wir haben, um uns näher an die “wirkliche Wahrheit” zu tasten sind Statistiken. Natürlich gilt auch hier, glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast… jedoch haben sie bei weitem einen höheren Wahrheitsgehalt als irgendwelche von Angst und Vorurteilen getragenen Gerüchten. Wir müssen versuchen einen objekten Überblick bekommen, um eine vernünftige und rationale Einschätzung der Lage zu bekommen, um aufgrund derer dann entsprechende Prozesse in Gang zu setzen.

Die Statistik des BKA zeigt keine überproportionale Kriminalität bei Flüchtlingen! (Zeit Artikel zum Thema) Die Kriminalität, die begangen wird, geht zudem meist von einer kleinen Gruppe an Intensivtätern aus, welche aufgrund unserer psychologischen Mechanismen tragischerweise alle Geflohenen in Ungnade ziehen. ( Artikel vom Handelsblatt ). Diese gilt es, genau wie andere Intensivtäter schnellstmöglich dingfest zu machen, keine Frage.

 

Den Rechtstaat sichern!

Was wir tun müssen, um Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung zu verhindern und die alltägliche Sicherheit herzustellen ist, den Rechtstaat zu sichern, indem wir sowohl die Polizei als auch unseren Justizapparat finanziell entsprechend auf die Beine stellen. Woran sich die großen Parteien verschuldigt haben ist, diesen Bereich, genau wie diverse andere der öffentlichen Grundversorgung aufgrund von Sparmaßnahmen zu vernachlässigen. Einem System, was auf Anschlag fährt, passieren mehr Fehler. Ein System was auf Anschlag fährt, kann nicht auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren, weil kein Puffer zur Verfügung steht. Was wir brauchen ist mehr Geld und das muss über entsprechende Steuern eingenommen werden, ansonsten gehen die Ausfälle des Systems auf die Rücken derer, die ohnehin geplagt sind und gefährden über kurz oder lang unseren sozialen Frieden, der weitaus mehr Wert ist, als das, was es zu investieren gibt.

Wir versuchen in Deutschland jeden gerecht und fair zu behandeln. Individualität ist ein hohes Gut, ebenso wie die Unschuldsvermutung und diese gilt es für uns alle sicherzustellen, damit jeder das größtmögliche Maß an individueller Gerechtigkeit erfahren kann.

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Wem es wirklich um das Thema der sexuellen Gewalt geht und nicht darum, dieses Thema für seine fremdenfeindlichen Ansichten zu instrumentalisieren, der muss sich weitaus tiefschürfender mit unserer Kultur und der Thematik beschäftigen. Auch in unserer Gesellschaft gibt es hinreichend Indizien dafür, das sexualisierte Gewalt eine große kulturelle Problembaustelle ist. Wer mehr infos zum Thema sucht ist mit dem Zündfunk Podcast “Indizien für eine Rape Culture” und dem Spiegel Artikel “Des Rudels Kern” gut beraten.

Kulturelle Unterschiede

Man kann es nicht von der Hand weisen, dass es kulturelle Unterschiede zwischen uns hier Ansässigen und denen, die aus den Krieggebieten dieser Welt zu uns kommen, gibt. In Wertefragen und Toleranz wird es statistisch zu 100% Abweichungen geben. Wenn wir einen Clash der Kulturen vermeiden wollen, müssen wir die Integrationsangebote steigern, den Leuten unsere Werte erklären, sie abholen und die Vorteile unserer Gesellschaft vor Augen führen. Auch hierfür braucht es Geld und auch diese Geld wird sich in ein paar Jahrzehnten zu 100% rechnen.

Leute aussperren = Leute in den Tod schicken

Die Alternative, keinen zu uns zu lassen würde bedeuten, viele Abertausende in den Tod zu schicken. Im Gegensatz zur irrationalen Bedrohung, die wir gegenüber den Flüchtlingen verspüren, sind deren Verfolgung und Todesangst real. In dem Moment, wo Angela Merkel die Tore schließen würde, gäbe es eine Kettenreaktion in deren Folge sich ganz Europa abschotten würde. Die Menschen würden in der Folge noch gefährlichere, tödlichere Wege auf sich nehmen, in Flüchtlingslagern der arabischen Länder verhungern oder dem IS bzw. Assad in die Hände fallen. Das ist real. Und wer andere Menschen sehenden Auges in einen derartigen Tod schickt, ist nicht besser als die, die am Köllner Hauptbahnhof Hand angelegt haben.

Die Gefahr für unsere Gesellschaft

 

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Wenn wir unsere Historie betrachten, wurden Geflohene nie zur Gefahr für eine stabile Gesellschaft. Nazis und die zugrunde liegende Ideologie haben unseren Kontinent jedoch bereits schon mehrmals in Schutt und Asche gelegt. Hier gilt es, sehr vorsichtig zu sein. Die vermeintlichen Erlöser werden diejenigen sein, die den Untergang unserer Gesellschaft befördern werden. Wer mehr Rechte für Frauen, mehr Rechtsstaat, mehr Toleranz, westliche Werte und Kultur möchte, der sollte auf keinen Fall Parteien am Rechten Rand wählen. Sie sind das Gegenteil all dessen, was unsere freie Welt ausmacht. Wir sehen rechte Tendenzen in den verschiedensten europäischen Ländern aufziehen und diese Bewegungen bedrohen massiv unsere Zukunft in einem vereinten Europa. Die Flüchtlinge fangen nicht an, unser Grundgesetz zu ändern, Andersdenkende zu verfolgen und die Ämter in Führungspositionen durch ihnen Gleichgesinnte zu besetzen. Rechte machen dies sehr wohl, wie gerade anschaulich in Polen zu beobachten ist. Das ist die wirklich Gefahr für unser System. Als Demokraten und Menschen der Vernunft gilt es jetzt, mehr als sonst, zusammen zu stehen und unsere Werte für Freiheit und Toleranz zu verteidigen.

 

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