Im Sommer 2012 hat sich eine Gruppe junger Ingolstädter Studenten zusammen gesetzt, mit dem Ziel eine Surfwelle nach Ingolstadt zu bringen. So hat sich daraus eine Bürgerinitiative gegründet, die mit der Technischen Hochschule Ingolstadt eine Machbarkeitsstudie herausgearbeitet hat. Wir haben also nochmal mit dem Initiator gesprochen und sagen euch außerdem, wieso die Donauwelle mit dem Gründerzentrum zusammenhängt. 

[toggle title=”Die Leute haben Bock drauf” state=”close” ]Genau vor einem Jahr haben wir das Thema bereits schon einmal aufgegriffen. Das Potential war uns bekannt, aber das Feedback hat uns dann doch überrascht. Mehr als 400 Likes, 50 Shares, und eine Reichweite von über 40.000 Leuten. Das spricht für sich.
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Für einen erfolgreichen Gründerstandort braucht es genügend bezahlbaren Wohnraum oder eine höhere Standort-Attraktivität. Der Wohnpreis wird nicht das Argument für junge Leute in Ingolstadt sein, ebenso wenig Büroflächen, die es genauso in jeder anderen Großstadt gibt. Da der städtische Einfluss auf den Mietpreis nur mittel- bis langfristig gegeben ist, müssen andere Ideen her, um Ingolstadt zur attraktiven Stadt für junge Gründer und Fachkräfte zu formen. Sonst gibt es zu viele gute Gründe für andere Städte wie München Nürnberg oder Regensburg. Einen klarer Standort-/Wettbewerbsvorteil für Ingolstadt bilden Alleinstellungsmerkmale. Audi spielt eine Rolle, aber auch die hohe Jobsicherheit. Sie sind aber bei weitem jedoch kein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Eine Chance ist die Bespielung der Donau. Wir haben einmal mit Sven Schreiber von ‘Eine Welle für Ingolstadt’ gesprochen, wieso das Ding auf Grund liegt und was er so zur aktuellen Lage an der Donau denkt:
[toggle title=”Interview mit dem Initiator Sven Schreiber von ‘Eine Welle für Ingolstadt'” state=”close” ]

sven schneider surfKurator: Servus Sven! Sag uns doch mal, was war da los mit der Donauwelle?
Sven:
Nach langen kämpfen für die Welle habe ich aufgegeben. Die Chancen auf Umsetzung sind mir zu klein geworden.

Wie kam die Idee?
Im Donaukurier hat die Stadt die Bevölkerung aufgerufen Ideen einzureichen,wie man die Donau besser in das Stadtleben integrieren könnte, da dachte ich mir, surfen wäre doch cool! Nicht nur für die Surfer, sondern auch für die Zuschauer in einem Café am Ufer. Welches natürlich noch gegründet werden müsste.

Das Interesse war ja bei den Leuten da, auch wir haben das im letzten Jahr gemerkt, als wir das Projekt noch einmal aufgegriffen haben. An was ist es letztendlich gescheitert?
Letztendlich an dem Willen der Politik, wobei es bei den geschätzten Kosten auch einigermaßen nachvollziehbar ist. Wäre es das nicht, würden wir weiter kämpfen und hätten nicht aufgegeben.

Was hätte es denn gekostet?
Je nach Konzept zwischen 1-1,5 Millionen. Plus die Betriebskosten von ca. 30-40T€/Jahr.

Das ist natürlich nicht wenig. Wie haben sich diese Kosten ergeben? Man stellt sich ja vor, dass Betonelemente wie im Eisbach reichen. Ist die Breite des Flusses ein Hindernis und wesentlicher Kostenfaktor?
Die Breite ist nicht das Problem, damit könnte man eher gute Wellen bauen. Das Problem ist die geringe Fließgeschwindigkeit der Donau. Man müsste also entweder den Wasserspiegel anheben durch anstauen oder einen Nebenfluss buddeln und Wasser direkt aus der Staustufe entnehmen. Beides sehr aufwendig und beides verringert leider die Stromproduktion des Staukraftwerkes. daher kommen dann die hohen Betriebskosten. Das wären Ausgleichszahlungen an den Betreiber des Kraftwerkes.

Das ist jetzt vielleicht eine blöde Frage, aber wir sind ja jung und naiv. Wieso hat ein Kraftwerk ein Anrecht auf die volle Nutzung der Energie, und andere nicht? Gab es andere Standorte, die angedacht wurden? Oder Konzepte einer temporären (tages- und jahreszeitabhängigen) Öffnung des Wasserstromes durch das Kraftwerk? Oder ein Kooperationsmodell mit den Stadtwerken (Sponsoring etc.)?
Naja, das Kraftwerk war einfach zu erst da und damit ist die Sache schnell klar. Modelle mit Kooperationen und tageszeitabhängiger Nutzung haben wir uns erdacht und könnten auch funktionieren, hier kommt jetzt die klare Ablehnung der Politik ins Spiel. Da wir durch die Nähe zu München kein Kommerzielles Konzept mit Eintrittsgelder wollten sind wir auf Förderung angewiesen. Wenn die Stadt nicht will, erübrigt sich die weitere Diskussion. Das es anders geht sieht man aktuell ganz klar in München und Hannover, um nur zwei Beispiele zu nennen. Hier ist das Potential erkannt worden.

Wurde das Anliegen gründlich geprüft? Wurde das Thema überhaupt ernst genommen?
Ich weiß nicht ob ich die Frage richtig verstanden habe… Die Stadt hat sich für uns Zeit genommen und sich die Ideen angehört. Wir sind aber immer mit neuen Aufträgen zum Untersuchen rausgegangen. Eine echte Zusammenarbeit gab es nie. Irgendwann wurde es uns zu blöd, da wir uns nicht ernstgenommen vorkamen. Wir haben dann sehr direkt nachgefragt und den Oberbürgermeister [Anm. vom Kurator: OB Christian Lösel] zu einer Antwort gezwungen. Die Antwort war dann eine klare Absage zur Welle.

Das fällt uns auch auf. Die Leute werden aktiv. Man wird hingehalten, es wird zugehört, doch letztendlich bleibt das Potential der motivierten aktiven Bürger ungenutzt… Wie siehst du die Integration der Donau in Ingolstadt ganz generell?
Ingolstadt verschenkt da ein gigantischen Potential. Ich kenne keine Stadt die einen Fluss so wenig nutzt. In Ingolstadt sind natürlich bauartbedingt schwierige Verhältnisse aus der Vergangenheit, aber gefühlt wird nichts getan um es zu verbessern. Ein Kanu Verleih, Cafés, Grillwiesen, es gibt fast nichts. Abgesehen vom Donaustrand, aber da kam man dann auf die großartige Idee den Bürgerbus zu verbieten.

Hast du einen Ratschlag an die Stadt?
Hört auf die Jungen Leute und fördert deren Ideen.

…ein schöner Schlusssatz! Sven, vielen Dank für das Gespräch.

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Neben einer Flusswelle ist auch die Ausgestaltung des Donauufers ein weiterer Punkt zur Förderung der lokalen Attraktivität:

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©Trojan Trojan + Partner

Über den Donaustrand wird seit Jahren gesprochen. Dabei gab es bereits Konzepte und einen ausgeschriebenen Wettbewerb, bei dem der Gewinner ‘Trojan Trojan + Partner’ eine spannende Fahrbahnverengung vorschlug, mit einer Öffnung zum Fluss durch eine großzügige Treppenlandschaft. Auch eine gastronomische Bespielung auf der Nordseite für entspannte Abende wurde eingeplant. Entschieden wurde dieser Wettbewerb Ende Juni 2013. Getan hat sich bis Dato leider nicht wirklich viel.
[toggle title=”Konzept und Leitidee von ‘Trojan Trojan + Partner'” state=”close” ]

DIE STADT AN DIE DONAU BRINGEN –
Um der städtischen Zielsetzung, die Innenstadt an die Donau zu bringen, umzusetzen, wird der das Theater umgreifende Stadtraum über die Uferstraße hinweg mit langgezogene Terrassen zur vorgelagerten Theaterlände an den Fluss geführt. Dies wird durch das Verschlanken und Verschieben der Uferstraße nach Norden möglich, sodass dem Flussbogen folgend eine spindelförmige und parkartige Uferpromenade entsteht, die sich vom Tränktor bis zur Bastion Dallwigk spannt und in Zonierung und Ausbau unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten und Flusserlebnisse bietet. Damit treten Nord- und Südufer der Donau in einen spannungsvollen Dialog. Während die der Stadt vorgelagerte Schlosslände bei Beibehaltung des Baumbestands in ihren urbanen Funktionen weiter ausgebaut wird, erhält das gegenüberliegend landschaftlich geprägte Südufer vor dem Klenze-Park ausgehend von der Donaubühne eine weich-modellierte, den Merkmalen eines Gleitufers entsprechende Morphologie, sodass kiesige und sandige baumbeschattete Uferbuchten mit angrenzenden Spiel- und Liegewiesen den direkten Zugang zum Flussufer erlauben.
Auf dem stadtseitigen Ufer zwischen Altstadtkante und Donau behält die Schlosslände mit den flankierende Parkanlagen vor Tränktor und Schloss und dem mittigen Theater ihre bisherige funktionale Ordnung, sodass der skulpturale Theatersolitär auch künftig einem Findling in einer Moränenlandschaft vergleichbar den zeichenhaften Schwerpunkt setzt.”[/toggle]

Dass kein erfolgreiches Gründerzentrum ohne Attraktivitätssteigerung des Standortes einher gehen kann ist eigentlich klar. Für die Stadt ergibt sich die Chance, den Bürgern den Raum an der Donau zu geben, der solange gefordert wird und gleichzeitig den Standort des Gründerzentrums zu stärken. Gerade in Krisenzeiten ist die Förderung der Jugendkultur und der damit einhergehenden Kreativitätsförderung erforderlich. Beim Erhalt des Status Quo’s erfolgt sonst nur ein Rückschritt, während andere Städte Ingolstadt den Rang ablaufen. Dieser Verantwortung zur Förderung von Sub- und Jugendkultur muss sich die Stadt stellen!

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