Vielleicht erging es Euch in letzter Zeit ebenso wie uns. Nichts schlimmes ahnend verabredet ihr Euch mit Freunden, geht auf ein paar Bier in eine Bar und auf einmal fällt es Euch wie Schuppen von den Augen. Keiner am Tisch trägt auch nur ein einziges farbiges Kleidungsstück. <!–more–>Wie ein schwarzes Loch scheint Eure Gruppe jedwede Materie zu verschlingen und lediglich einen gähnenden, schwarzen Einheitsbrei zurückzulassen. Zufall? Wenn ihr dann Euren Blick erhebt und merkt Ihr, dass der ganze Raum schwarz trägt, werdet ihr dasselbe fragen was uns dabei durch den Kopf schoss: Ist das 1Zufall? Seid ihr versehentlich auf einer Goth Party gelandet? Ist jemand gestorben? Wird gleich irgendwo eine schwarze Katze geopftert?

 

Die Chancen dafür stehen allerdings schlecht. Wahrscheinlicher ist, dass ihr in einer größeren europäischen Metropolen unterwegs seid oder zufälligerweise mit Kunststudenten abhängt. Dort nämlich scheint sich das “all black” nämlich gerade quer über alle Gruppen hinweg durchzusetzen, von radikalem Islamisten, über Linksextremisten, Architekten bis hin zu liberalen Hipstern. Schwarz ist das neue Schwarz. Doch woher kommt dieser Trend?

islamisten

Das Epizentrum | Sodom und Gomorrha

Sind alle jungen Leute zum Islamismus übergelaufen? Ist Metal wieder in? Wohl kaum. Denn im 1000km Umkreis von Kerneuropa wird sich außerhalb Mossuls nirgendwo sonst eine ähnlich hohe dichte an totally black dressed peoples auffinden lassen, wie im berliner Club Berghain … und das hat weder viel mit Religion, noch mit Metal zu tun. Aber ist das Berghain auch das Epizentrum und Ausgangspunkt des Trendes? Nach ausführlicher Recherche haben wir festgestellt, dass dem nicht so ist und die roots des “all black” Hipstertums weit bis ins 16 Jahrhundert zurückreichen, wo der Siegeszug des black in black am burgundischen Hof in Spanien seinen Anfang nahm.

 

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Der burgundische Hof

wie auch in heutigen Zeiten, waren die damaligen all black Hipster Radikale. Radikale im Denken, Grenzschreiter der Gesellschaft. Anfangs beschränkte sich das Phänomen “all black” auf einen kleinen Kreis elitärer Katholizisten, die mit ihrem Style gern bei Hauspartys flanierten und eine radikalere Auslegung der Bibel forderten. Aber als der Preis für die einst so teuren schwarzen Stoffe viel, schlossen sich weitere Gruppen und Gesinnungsrichtungen der farblosen Radikalität an.

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Schwarz, die Farbe des Bösen

Schwarz ist die Farbe des Bösen so scheint es, vom Sensenmann, über Nazis, Satanisten, Katholizisten, Islamisten, bis hin zu Darth Vader, ziehen sich verdächtige Paralellen in Bezug auf die Farben ihrer Gewänder. Aber auch Designer, Architekten und viele Künstler bevorzugen das Schwarz… und diese Leute sind bekannt dafür, sich über derartige Entscheidungen Gedanken zu machen und sie sehr bewusst zu fällen (und nicht im Grundsatz böse zu sein, zumindest wurden bei Steve Jobs noch keine Pläne für den Todesstern gefunden). Was also steckt hinter der Entscheidung zum radikalen Minimalismus?

Gründe für Black in Black

Besteht der Kleiderschrank aus schwarz, macht man sich morgens keine Gedanken. Alles passt zusammen, der Griff in den Kleiderschrank endet in wenigen Sekunden und man muss sich keine großen Gedanken über etwaige Farbkombinationen machen. (Diese Theorie würde auch erklären, warum derartig viele Böse Personen das schwarz bevorzugen. Wenn man das Universum erobern will hat man wenig Zeit sich darüber Gedanken zu machen, wozu man den lilablassblauen Schaal kombinieren kann.)

Schwarz in Schwarz schont den Geldbeutel. Fängt man an, fabrlich zu kombinieren, kommt man in Teufels Küche. Man braucht für jede Farbrichtung passende Sachen zum kombinieren. Ist der blaue Pulli in der Wäsche, kann man seine rote Hose erstmal eine Zeit lang nicht mehr nutzen und muss sich ernsthaft überlegen, einen zweiten Pulli zur roten Hose zuzulegen. (von passenden Schuhe, Taschen, Schmuck und Autos mal ganz abgesehen). Schwarz passt sogut wie immer.

Schonmal Bolognese auf der schwarzen Hose gehabt? Sieht man nicht! Nur bei Körperflüßigkeiten wird die Sache tricky,… aber das stellt in der Regel eher die Ausnahme dar.

Schwarz wirkt elegant. So kann man mit seinem dezenten schwarzen Outfit mit dem richtigen Schuhwerk nahtlos von Uni, über Geschäftstreffen ins Berghain spazieren, ohne sich ein einziges mal ernsthaft Gedanken machen zu müssen, falsch gedressed zu sein.

Wie im Punkt Zeitersparnis und gesellschaftliche Kompatibilität angedeutet, macht black in black das Leben einfach und dadurch stressfrei. Mit der Entscheidung, nur noch Schwarz zu tragen, entfallen diverse andere, teilweise nervenaufreibende Entscheidungsprozesse im Leben. Das unsägliche Thema Mode ist damit abgehakt und man kann sich in aller Ruhe um die wichtigen Dinge im Leben kümmern.

Schwarz lässt den Körper und andere Belange, die mit etwaigen TShirt Aufdrücken oder Farben kommuniziert werden in den Hintergrund rücken. Betont wird das Gesicht und mit seinen Ausdrücken der individuelle Charackter des jeweiligen Menschen. Man selbst steht im Mittelpunkt.

Da schwarz gekleidete Menschen bisher immer zu den radikaleren der Gesellschaft gezählt haben, umgibt sie etwas mystisches. Sie sind seltener, anders, stechen hervor und sind dadurch für viele interessant. Das jedoch kann heute kaum mehr gezählt werden, nachdem der Hang zum Schwarz im Mainstream angekommen ist.

Mainstream | 1 Grund zu trauern.

Mittlerweile ist das “all black” im Mainstream angekommen und wir trauern um die gute alte Zeit, in denen man sich mit seiner schwarzen Kleidung noch von der Masse absetzen konnte,… Als Studenten der Kunst, Design und Architektur Gattungen wurde uns das schwarz quasi mit in die Ausbildungswiege gelegt. In genannten Disziplinen kursiert der Stil schon seit Jahrzehnten. Die Entscheidung, modisch keine farblichen Entscheidungen zu treffen und sich damit von der spießbürgerlichen Konformität und dem zermürbenden Farbwechseln der Modeindustrie abzusetzen, hat Programm. Ehemals noch an den Extrempunkten der Gesellschaft verordnet, sieht man sich nun mitten im visuellen Mainstream. Wenn einem kichernde Teenies Head to Foot dressed im newest Primemark Black über die Straße hinweg zuwinken, als sei man unter den einzigen deutschsprachigen Urlaubern im Malle Clubhotel, weiß man, dass es vorbei ist.

Ingolstadt bleibt standhaft

Umso mehr freut es uns, dass sich das Gros der Ingolstädter Gesellschaft bisher konsequent diesem Trend verwährt. All Blacks bleiben Randerscheinungen in den Instafeeds der Suxulultras (und linken Landesvorsitzenden) und sind visuell bisher noch nicht im Straßenbild als eigene Gattung erkennbar.

https://instagram.com/p/BJdKQs4A5Md/

 

Eigentlich könnte man meinen, dass die von Betriebswirtschaftslehre dominierte Ingolstädter Yuppie Gemeinschaft allein schon aus Kostengründen über diesen Trend herfallen müsste wie Hyänen, doch der zu erwartenden Hype bleibt aus. Wir scheinen es mit einer äußerst seltenen Anomalie zu tun zu haben. Selbstlos wie Jesus, scheinen die Ingolstädter Studenten unter der Missachtung jeglicher Kostenlogik in die jahreszeitlich auftrendenden Farb-/ und Musterschwankungen der Modeindustrie zu investieren, welche mit scharfer Präzision den Kleiderschrank des Vorjahres in die Mülltonne befördert. Selbstlos werden hier horrende Summe aus dem eigenen Kapital aufgewendet, nur um den systemisch wichtigen Konsumkreislauf aufrechtzuerhalten. Eine Glanzleistung sondergleichen, für die wir alle sehr dankbar sind, müssen wir uns so zumindest in den Semesterferien in Bayern nicht über aufwendige Farbkombinationen den Kopf zerbrechen.

Von daher, keep it real und immer weiter so!

 

#Ingolstadtbleibtstabil

 

PS: Wir empfehlen denjenigen, die bisher dachten, Sensation White wäre das große Ding und sich nun trotz Warnungen dem “all black” anschließen möchte, nicht wie ein Opfer alles neu zu kaufen. Ihr könnte euren Scheiß auch einfach färben